Wohnsiedlung Nienburg - Architekturbüro Hannover

MEHRGENERATIONEN WOHNEN AUF DEM LANDE

Projekt

Umnutzung

Standort

Nienburg/Weser

Jahr

2018

Größe

3.775 m²

Kunden

Privatpersonen

Warum auf dem Lande wohnen? Und das auch noch in einer Scheune? Weil hier der Bezug zur Natur eine wichtige Rolle spielt, das Vereinsleben und das Leben in Gemeinschaft. Deshalb soll die zu beplanende Scheune nicht nur ausgebaut, sondern das Anwesen noch um einen Neubau ergänzt werden. Drei Generationen werden hier wohnen können. Eine jede mit einer eigenen Haustüre. Auch das ist wichtig für ein dauerhaftes Zusammenleben in Harmonie: Dass man sich auch aus dem Weg gehen kann.

Doch was ist das Besondere an der Scheune?

Gebaut wurde sie im Jahre 1962 in Estorf im Landkreis Nienburg und dort vorwiegend landwirtschaftlich genutzt. In Estorf wurden zwischen 1650 und 1750 ca. 40 Scheunen außerhalb des Ortskerns erbaut. Neun dieser Scheunen bestehen bis heute und bilden das für Estorf traditionelle Scheunenviertel, welches jedes Jahr tausende Besucher verzeichnen kann. Scheunen haben, wie in vielen Dörfern, immer noch einen hohen ortstypischen Stellenwert. Sie sind es, die dem Dorf den typischen Charakter verleihen und die Umgebung zum Leben erwecken.

Die Frage, die hinter dem Entwurf steht ist also, wie nutze ich die Scheune um, ohne den Bezug der einstigen Nutzung zu verlieren und wie füge ich mich damit in die Umgebung des Dorfes ein? Der Entwurf für die Umnutzung umfasst drei Gebäude. Zwei der Gebäude werden nach dem Haus-im-Haus-Prinzip in die bestehende Scheune eingefügt, ein weiteres wird freistehend auf dem Gelände errichtet.

Das erste Gebäude erstreckt sich über zwei Geschosse. Das Erdgeschoss ist ein Teilausbau der Scheune. Hier werden die Mauerwerkswände nachträglich mit Kalziumsilikatplatten gedämmt, um die ungedämmte Scheunenhülle als Außenwände für die Wohnung nutzen zu können. Das Obergeschoss wird mit Holzrahmenbau ausgebildet, da aus statischen Gründen die Ziegeldecke nur mit einem Leichtbau belastet werden kann. Das Obergeschoss ist freistehend auf der bestehenden Ziegeldecke, wird jedoch an die bestehende Dachkonstruktion angeschlossen. Hier wird lediglich die Dachdämmung nachträglich vorgesehen, um eine thermische Hülle zu gewährleisten.

Das zweite Gebäude wird ein kompakter zweigeschossiger Betonbau. Die Wände werden aus Sichtbeton ausgebildet, um die Materialität der Bodenplatte zu unterstreichen. Das Gebäude soll also den Anschein erwecken, es würde aus dem „Boden wachsen“. Das Gebäude wird in die Typologie „tiny house“ eingeordnet, da es lediglich die Außenmaße von 6x8m aufweist. Es steht ebenfalls freistehend in dem Bestandsgebäude. Um einen ebenerdigen Übergang von der Scheune und den Neubauten zu bekommen, wurde die Sohlplatte (bei beiden Gebäuden) ausgefräst und um 20 cm heruntergesetzt. Ziel hierbei sollte sein, die Bestandsscheune so auszubauen, dass vielfältige Nutzungsmöglichkeiten in das Wohnkonzept integriert werden können, wie beispielsweise die vorgesehene Werkstatt, sowie die vielen offenen Bereiche zur Kommunikation in der Scheune. Bei beiden Gebäuden stehen die Bestandsmaterialitäten ebenfalls im Vordergrund. Die schöne, filigrane, noch intakte Holzkonstruktion mit dem Sprengwerk, die das Haupttragwerk der Scheune ist, besteht aus Nadelholz, das Fundament und die Sohlplatte aus Stahlbeton. Anhand beider Materialitäten wurden die beiden Gebäude entworfen und ausgerichtet.

Die Belichtung der beiden innenliegenden Gebäude wird durch zwei verglaste Bereiche im Dachfirst unterstützt, sowie durch das Wiederherstellen der damaligen Scheunentore auf der Westseite, die sich auf der Ostseite ebenfalls wiederfinden.  Dem Eindringen von Tageslicht steht nun nichts mehr im Wege.

Das dritte Gebäude ist ein Neubau. Dieser besteht, wie die Außenwände der Scheune, ebenfalls aus Mauerwerk. Es ist ein zweigeschossiges Bauwerk, das außerhalb der Scheune platziert wurde. Somit schafft man eine Hofsituation, die die großzügigen Flächen der Außenanlagen in verschiedene Zonen einteilt.

Der Gedanke hinter dem Entwurf von drei Gebäuden war, ein Mehrgenerationen-Wohnen zu erschaffen. Drei Gebäude stehen für drei Generationen. Die Großeltern sind im Neubau zu Hause, da dort die Barrierefreiheit nachträglich am effizientesten umsetzbar ist. Die Eltern wohnen im linken Gebäudeteil der Scheune, der die Holzrahmenbauweise aufweist, mit untenliegendem Ausbau, welcher nachträglich umgebaut werden kann, sollten die Großeltern Unterstützung im Alltag benötigen. Sollte eines der Kinder, beispielweise nach dem Studium, zurück in das Heimatdorf ziehen, wäre der Betonkubus, welcher im rechten Teil der Scheune platziert ist, die perfekte Möglichkeit dafür. Eine Besonderheit wäre zusätzlich der Steg, der von dem Holzrahmenbau (von der Galerie) auf die Dachterrasse des Betonkubus führt und als Kommunikationszone dient.

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